Armutszeugnis

Heute, am Montag, der Tag nach Sonntag, verstehe ich, warum Bruno Labbadia auf der Abschussliste der Sportwettenanbieter auf Platz 1 steht. Spätestens seit gestern weiß ich zudem, dass sich auch in dieser Saison nichts ändern wird. Es sei denn, es fallen 15 neue Spieler vom Himmel und heißen Westermann. Wie sagte Bruno:das war nicht abzusehen, in der Vorbereitung hatte sich ein anderes Bild abgezeichnet“. Na Bruno, endlich angekommen in Hamburg?

Ganz ehrlich. Es ist nur noch zum kotzen. Ich kann euch gar nicht mehr spielen sehen. Ich kann euch beim besten Willen nicht mehr dabei zusehen, wie ihr versucht Fußball zu spielen. Welch einen Krampf ihr abliefert, ist einfach nur noch peinlich. Ich schäme mich zusehends zu behaupten, dass ich die Raute im Herzen trage. Es ist einfach nur beschämend euch zu unterstützen. Ihr habt unseren Support nicht verdient. Es helfen nur noch drastische Formulierungen.

Wenn der Trainer versucht, euch zu erklären, wie man Fußball spielt, kommt es mir wie ein Kinderspiel vor, meinem 2-jährigen Sohn zu erklären, was das Wort „teilen“ bedeutet. Der Kleine wird es noch lernen. Aber dass der Trainer keinen erwachsenen Fußballprofis vermitteln kann, dass Anweseneheit auf dem Platz nicht alles ist, das kann ich einfach nicht begreifen. Hängt die Schuhe einfach an den Nagel und geht in Rente. (Ulreich, Jansen, sind das eure Idole?)

„Jena hat verdient gewonnen, sie haben mehr Leidenschaft gezeigt. Unsere Körpersprache war nicht die, die ich erwartet hatte. So dürfen wir uns nicht präsentieren“, sagte Labbadia

Wie sangen die Fans von Jena so schön: „erste Liga, keiner weiß warum“. Ja, da stimme ich ohne Vorbehalte zu. Ich bin nach nur einem Spiel schon für die bevorstehende Saison restlos bedient. Mein Nervenkostüm hat sich schon wieder in ein depressives, verwaschenes Clownskostüm gewandelt. Häme und Spott gehören mittlerweile zu meinem Leben und sind ein fester Bestandteil.
Das euch ausgerechnet ein Viertligist zeigen muss, was Fußball bedeutet, was investiert werden muss um ein Spiel für sich zu entscheiden, es macht mich sprachlos. Ich würde euch meinen Frust gerne vor die Füße spucken, aber selbst die Spucke ist es mir nicht Wert.

Mein Freund Heiko schrieb nach dem Spiel ganz lapidar: „wie immer halt“. Und heute Morgen im Büro, mein Telefon klingelte: „wenn der HSV so weitermacht dann habt ihr demnächst im Pokal immer Heimrecht“. Ein lautes, schrilles Lachen und das Telefon piepte mich an. Ich arbeite in Mainz und darf jeden Tag erleben, wie ein kleiner Verein und dessen Anhängerschaft mir das Leben unerträglich machen.

Bayern im Fokus, Jena im Rücken. Die einzige Kontinuität, die der HSV besitzt, ist die des Versagens. In Karlsruhe gerettet, mehr schlecht als recht, in Jena den Kopf aus der Schlinge gezogen, um doch noch zu versagen. Einfach nur noch lächerlich. (Danke auch an den DFB, da ihr uns immer Schiris zuteilt, die ein Herz für uns haben)

Was soll ich ansonsten noch groß Schreiben. Jeder, aber wirklich jeder konnte es sehen. Ohne Leidenschaft, ohne jeglichen Biss, sowie ohne erkennbare Taktik, wurde schon im ersten Spiel wieder alles hergeschenkt. Die Überheblichkeit und eure Arroganz waren die erkennbaren Merkmale, die mir persönlich, von euch, von diesem Spiel, noch sehr lange in Erinnerung bleiben werden. Jena, wer ist Jena? Jetzt wisst ihr es.
90 Minuten wurden in dieser Saison erst gespielt und ich sehe uns jetzt schon wieder in der Relegation. Wenn überhaupt…wie sagte Peter Knäbel vergangenen Freitag:endlich wieder richtiger Fußball“. Ich bin kotzen, bis bald.

Mit freundlichen Grüßen
Christian E, euer Linkerläufer.

https://twitter.com/linkerlaeufer1

Der letzte Funken Hoffnung

An dieser Stelle sollte, wie üblich, mein Bericht über die Erlebnisse und Ereignisse über das Auswärtsspiel in Braunschweig stehen. Sind wir ehrlich. Warum sollte ich mir diese Mühe machen?  Sind die Spieler oder der Verein es Wert? Soll ich meine kostbare Zeit für euch investieren? Was bekomme ich dafür zurück? Heiko würde sagen: „Die werfen uns nicht mal einen Knochen hin“.

Als in Braunschweig der Abpfiff ertönte, stand ich zum ersten Mal nicht mehr in der Kurve, sondern ebnete mir mit Kevin den Weg in Richtung Auto. Ab durch die Massen an Polizisten und enttäuschten Fans. Die Gesichter aller sprachen ihr eigenes Bild. Fassungslosigkeit, Enttäuschung und Wut. Niemand lächelte, jeder war entsetzt.

Das „Spiel des Jahres“, wie es unser ehemaliger Trainer BvM prohezeite, ging verloren. Die erste Halbzeit war zugegebener Maßen für unsere Verhältnisse, für Hamburger Beine, eine gute. Ich habe Spieler gesehen, die um den Ball kämpften. Die Leidenschaft an den Tag legten und verdient mit dieser Führung in die Halbzeitpause gingen. Die Stimmung war bis dato ein sagenhaftes Erlebnis. Wir sangen, wir hüpften für unseren HSV. Wir bildeten erneut eine Einheit. Auch wenn es im Nachhinein gesehen eine aggressive Stimmung war. Blocksturm, Pyro und Nebel. Ein teurer Spaß. Naja, die unzähligen Trainerwechsel kosten uns mehr. Seit 2000 ist der Herr Slomka nun der 16. Trainer. Wahnsinn.

Umso unerklärlicher ist das, was uns in der zweiten Halbzeit geboten wurde. Es ist mir schleierhaft, wie es möglich ist, so zusammenzubrechen. Sich aufzugeben, obwohl ihr die Fans als 12ten Mann im Rücken hattet und ihr mit einer Führung mehr Ruhe hättet ausstrahlen müssen. Statt selbstbewusst aufzutreten, den Kampf anzunehmen, wurde der Gegner duch individuelle Fehler aufgebaut. Die Löwen kämpften uns nieder. Wir liefen wie ein Zebra, das zur Schlachtbank geführt wurde, nebenher. Die schwächste Offensive der Liga erzielte gegen unsere Schießbude aus Hamburg 4 Tore. Unfassbar.

Ihr habt mich erneut enttäuscht. Wie sagte Peter: „Die spielen das Stadion leer“.  Heiko, Frank, ich kann gut verstehen, warum ihr euch dieses Dilemma im Moment nicht mehr antut.

Meine letzte Bitte: Jungs, jetzt kämpft endlich über 90 Minuten. Zeigt uns, dass ihr euren Beruf mit bestem Gewissen ausüben wollt. Nehmt euch ein Beispiel an P.M. Lasogga. Er war wirklich der einzige, der sich gegen die Niederlage stemmte. Dem war anzumerken, wieviel Herzblut in ihm steckt. Wie er die Mannschaft nach den Gegentoren von der Mittellinie aus anfeuerte und euch Mut machte zu kämpfen. Nicht aufzugeben. Fangt endlich an damit. Ich hoffe, der Trainerwechsel entfaltet seine erhoffte Wirkung, auch wenn der nächste Gegener Dormtund heißt.

Ich schließe mich eurer Leistung an, meine lieben Gruselkicker und erbringe heute nur noch 30 % meines gewohnten Schreibvolumens.

Danke an Kevin B,  dass du mich mitgenommen hast und an Kevin S für die Videos. Danke an Yvonne für mein neues Titelbild. Ohne euch wäre ich am Samstag gestorben. Mein Herz wäre verblutet.

Christian E.

Wer ist der Maulwurf oder sind Zweifel erlaubt……

Geschrieben von Heiko. Vielen Dank für deinen Artikel auf Linkerläufer

 

Saisonabschluss im heiligen Volkspark, 7:25 Uhr steige ich ins Auto um die 575 km in Angriff zu nehmen. Heimspiel zum Hinrundenfinale – mit Peter und Stephan ins Stadion und abends auf die Piste, herrliche Aussichten.

Im Empfangsbereich von NDR dann die Nachrichtenmeldung, Kiez, Schanzenviertel, Innenstadt gesperrt, Großaufgebot an Polizei. Wer ist der Maulwurf und hat da ausgeplaudert, dass ich mal wieder in der Stadt bin. Das darf doch nicht wahr sein L! Oder gilt die Aktion gar nicht meiner Wenigkeit? Zweifel sind erlaubt! 4 Std. 50 Fahrtzeit – alles ok!

Bei einer gepflegten Hopfenkaltschale fällt mir im Zelt beim Soccer Dance eine Rangers Fahne auf, kommen coole Gefühle vom Glasgow Trip hoch (1:0 M. Berg), aber: in welcher Liga spielen unsere Freunde von der Insel jetzt? Ein Zeichen? Zweifel sind erlaubt! Die Mädels geben Vollgas und das bei eher usseligem Wetter. Geben unsere Jungs beim letzten Heimspiel des Jahres genau so viel Gas? Sicher doch, BvM hat ja betont wie wichtig das Spiel ist. Zweifel sind erlaubt!

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Endlich Stehplatz eingenommen, einige bekannte Gesichter begrüßt fällt dann doch auf: wieder nicht ausverkauft und das zum Hinrundenfinale!? Wie sagt Peter immer: die Truppe spielt nochmal das Stadion leer, wie recht er mal wieder behalten sollte. In der Innenstadt wackeln die Wände – aber sicher nicht vom Feuerwerk unserer Truppe und nein leider auch nicht vom überlauten, super engagierten Support im Stadion….das war mal anders, keine Zweifel sind erlaubt!

Zum Spiel:

Aus dem nichts trifft die bis dahin schlechtere Mannschaft durch Hakan zum 1:0, eine gewisse Stimmung scheint aufzukommen. Um diese im Keim zu ersticken braucht der Gast aus Mainz nach dem Pausentee sage und schreibe 5  Minuten + 2, nachdem der HSV (wie auch immer) zum Ausgleich gekommen ist. Der Gegner war nicht nur cleverer, er hatte offensichtlich einen Plan. Erstaunlich noch eine Situation zu schildern, als wir eine Konterchance bekamen. Lasogga und Rafa starten gemeinsam (fast Hand in Hand), PML läuft zur Außenlinie und nimmt den Ball, Rafa läuft in die Sturmspitze – sollte das nicht irgendwie umgekehrt sein? Hat hier irgendjemand einen Plan von Laufwegen und was wer zu tun hat? Zweifel sind erlaubt. Oder liegt es doch an meiner mangelnden Fussballkompetenz? Auch hier sind Zweifel erlaubt.

Rincons Rote Karte war wohl der stille Schulterschluss mit der Demo um die Rote Flora. Früher war das Spiel gegen die 05er für mich so oder so ein Fest, war ich doch zur 2Ligazeit oft am Bruchweg und mochte diese eigene Atmosphäre. Die letzte Zeit am Bruchweg wurde dann aber leider geprägt von wenig Gastfreundschaft. Früher hatte man mir mal gegen fliegende Bierflaschen von Anhängern eines ziemlich unbedeutenden Stadtteilclubs aus Hamburg geholfen. Zwischenzeitlich hat ein gewisser Noveski aus meiner Sicht die Karriere von E. Elia auf dem Gewissen und die 05er im Stadion brüllten mich an es wäre nicht mal ein Foul gewesen, ja nee ist klar! Den Gipfel der Unfreundlichkeit gegenüber Gästen kann man aber in der Coface Arena „erleben“.

Ich kenne mittlerweile aus der aktuellen 1. Liga 16 Stadien und aus der 2 Liga 5 und von diesen 21 Stadien teilte sich Mainz gemeinsam mit dem KSC Platz 21! Passt so gar nicht zum Club, hat aber die Entstehung einer „Liebe“ schon früh verhindert. Sportlich machen sie aktuell einiges besser und das nervt. Da bei Herrn Taschentuch-Tuchel aber immer andere für alles Mögliche verantwortlich sind, dann haben die 05er am Samstag nicht gewonnen, sondern wir uns selbst geschlagen

Noch etwas zu Marcel Jansen:

Lieber Marcel, Du möchtest mit der Vertragsverlängerung also warten, bis der HSV professionellere Strukturen hat hm…. Vielleicht sollte der HSV mit einem Angebot zur Vertragsverlängerung warten, bis Du nachhaltig professionelle Leistungen anbietest! Das am Samstag kann nicht Dein Ernst sein.

So long!
Heiko

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Ich bleibe hier stehen, da kann ich drüber schaun…

 Danke an Heiko für seinen Auswärtsbericht aus Wolfsburg auf Linkerläufer

 

Freitagabend – Flutlichtzeit – Auswärtsvaart!

Heute auf dem Weg in die Autostadt nach Wolfsburg, mit an Bord endlich wieder mal Peter. Es fehlen Christian und Freddy.

Erst aber einmal eine kleine Exkursion zum Begriff Derby:

Der Begriff Derby, häufig auch Lokalderby, bezeichnet ein spezielles Ereignis im Mannschaftssport, bei dem zwei meist rivalisierendeSportvereine einer Region aufeinandertreffen. Für die Fans der betroffenen Vereine haben solche Ereignisse eine hohe symbolische Bedeutung, und starke Emotionen werden hervorgerufen.

Als die bekanntesten Beispiele für Fußballderbys gelten das als Old Firm bekannte Glasgower-Duell zwischen dem Celtic FC und dem Rangers FC sowie das als Superclásico bezeichnete Spiel zwischen Boca Juniors und River Plate in Buenos Aires. Eines der bekanntesten deutschen Derbys ist das Revierderby zwischen den beiden Vereinen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04, welche sich seit Jahrzehnten um den Rang der besten Fußballmannschaft des Ruhrgebietes streiten. Allerdings ist das Frankenderby zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth das in Deutschland am häufigsten ausgetragene Derby.

Wie jetzt jemand auf die Idee kommen könnte das Spiel Vfl Wolfsburg gegen unseren heiligen SV wäre ein Derby erschließt sich mir nicht! Kenne keinen HSV-Fan, bei dem das Spiel eine hohe symbolische Bedeutung hat, es geht um 3 Punkte und fertig! Trotzdem etwas erfreuliches: das vom Geldgeber der Wölfe zur Verfügung gestellte Parkhaus kann man kostenlos nutzen, Respekt – zahlt man in Frankfurt mittlerweile schon 6 € für einen Parkplatz auf einer Wiese (ist das der Unterschied zwischen VW und der Commerzbank?).

Auf den wenigen Schritten ins Stadion fällt auf wie sauber und ordentlich es hier ist. Die auf den letzten Schritten in Reih und Glied gepflanzten Birken regen zum Nachdenken an – bis die Bedeutung dann doch klar auf der Hand liegt: jeder Baum steht für einen Spielertransfer von Felix Magath – ja ganz sicher, so muss das sein!

Im Stadion angekommen wird das Hungergefühl unterdrückt – nein wir unterstützen diese Auswärtsfansabzocke mit der Stadionkarte nicht! Und dann doch das nächste Highlight  lecker Fischbrötchen gegen Bargeld, herrlich! Endlich einen Stehplatz mit ordentlichem Blick eingenommen, quetsch sich Oli Scheel hinter uns durch, bleibt hinter mir stehen und sagt zu seinem Begleiter: „hier bleibe ich stehen, da kann ich schön drüber schauen“..das habe ich gehört Herr Scheel !

Nun endlich zum Spiel:

Wir spielen tatsächlich ein 4-1-4-1 und kommen zu Spielbeginn nicht wirklich gut klar damit (sehr viele Ballverluste im Mittelfeld, gewinnen keinen zweiten Ball). Und dann fällt aus dem Nichts das 1:0! Hakan Du bist ein Fussballgott!

Kurz drauf muss PML das 2:0 machen und das Ding ist gelaufen – somit möchte ich Heiko Westermann der Welt keinen Vorwurf machen, fällt vorne das 2:0, entsteht hinten die Situation nicht! In der Folgezeit steht HW oft alleine hinten Rechts und zeigt doch leider allzu oft seine Geschwindigkeitsdefizite. Als Maxi ihn dann unterstützte wurde es deutlich besser. Was die Truppe die letzten 20 Minuten für ein Feuerwerk abfackelt ist schon erstaunlich, die Wölfe gleichen einem zahmen Lamm und sind stehend KO! Leider fehlt ein wenig Glück um hier das verdiente Siegtor zu machen, ein wenig vielleicht auch ein Schiri mit Überblick! Schade!

Zu erwähnen natürlich noch die Ausnahmeleistung von Milan! Erstklassig! In welchem Nebel die drei Wölfe wohl herumgestochert haben, als Du fast am Boden liegend den Ball behauptet hast?

Support in unserem Block sehr gut an diesem Tag, die Wölfe-Fans sind kaum zu hören.

Wir wären aber nicht der HSV, wenn man den Nachsatz nicht schreiben müsste: gegen Augsburg müssen 3 Punkte her, sonst nutzt dieser Punkt mal wieder nichts! Gedankenspiel: wir haben jetzt Platz 2 – 6 gespeilt, dabei 9 Tore erzielt und nur zwei Punkte mitgenommen ! 9 – 2 und die Fahrt zum Tabellenführer steht noch an, ein Schelm wer Böses denkt!

Mal wieder eine schöne Auswärtsfahrt, den 6 Stunden hin stehen 3,5 Stunden Rückfahrt gegenüber – alles gut!

Heiko

Love is in the Air

Liebe Spieler des Hamburger-Sport-Vereins,

ich möchte euch in diesem Brief ein paar Zeilen zukommen lassen. Ich bin auch heute noch total sprachlos über das Spiel, sowie über eure Leistung und den damit verbundenen, grandiosen Auswärtssieg in Nürnberg. Ich muss zugeben, dass mir selten die Worte fehlen, doch diesmal habt ihr es geschafft. Ich war es gewohnt, in den meisten meiner Artikel nur negativ über euch zu schreiben und ich bin mittlerweile sehr geübt in diesen Schriften. Darum fällt es mir nun umso schwerer die passenden und lobenden Worte zu finden, die eurer spielerischen Darbietung gerecht werden. Ihr habt mich, wie viele tausend andere HSV-Fans verzückt und die Lust auf die kommenden Spiele neu entfacht. Ich war frustriert und zutiefst betrübt über eure Auftritte in den zurückliegenden Monaten. Ich glaubte eher an den Weltfrieden, als an ein zu-Null-Spiel in einem Auswärtsspiel mit eurer Beteilung.

In Nürnberg habt ihr uns verzaubert. Ihr habt mich vor Freude erstarren lassen und mich über 90 Minuten nie an euren Sieg zweifeln lassen. An diesem Sonntag war euer Spiel wie aus einem Guss. Ihr habt Fußball über 90 Minuten zelebriert. Die Fehler des Gegners wurden eiskalt ausgenutzt. Die Frage die ich mir nun stelle? Was war los mit euch?  Ich bin total irritiert von eurer Vorstellung. Ein Artist im Zirkus hätte keine bessere akrobatische Vorstellung abliefern können. Ich bin immer noch so irritiert, dass ich den Duden in meinen Händen halte, um nach Worten zu suchen die eure Leistung würdigen.

Ich bin einer derer, die euch nach schlechten Leistungen das durch meine Texte hat spüren lassen. Wie ihr mir- so ich euch, war meine Einstellung. Was ihr könnt, das kann ich auch, so dachte ich. Und jetzt? Nun stecke ich in einem Dilemma. Ihr habt eine Leistung vollbracht, die ich als Fan, als eine unbeschreibliche Leistung ansehe, dass ich nun mit meinen Worten nicht folgen kann. Ihr habt mich so überrascht, dass ich mich soeben in der Volkshochschule für einen Deutschkurs angemeldet habe. Titel: Deutsche Schrift in einem positiven Schreibstil- Fachrichtung Hamburger SV. Wie ihr lesen könnt. Ich bin baff. Ich bin wie frisch verliebt. Rosa Wolken. Die Vögel zwitschern trotz bewölktem Himmel an einem regnerischen Tag wie heute. Mein Lachen erlischt einfach nicht. Das Feuer in mir lodert und hält dem stärksten Orkan stand. 0:5. In Worten: Null zu Fünf.

Die ersten Neider sprachen schon. Es war doch nur Nürnberg. Mag sein, dass es NUR Nürnberg war. Doch das Wie und der Wille an diesem Tag, waren das Hissen der Segel in die richtige Richtung. Ich wünsche mir, dass es keine Eintagsfliege war und das die Medien in Hamburg jetzt nicht den kommenden deutschen Meister in euch sehen. Der erste Stein ist gesetzt, darum würde ich mich über einen Gefallen freuen. Bleibt ruhig und spielt so weiter. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Ich bin nun voll des Lobes. Ich danke euch für 90 Minuten der Extraklasse. Ich danke euch für 90 Minuten in denen ihr meine gebeutelte HSV Seele ins blaue Meer der Glückseeligkeit geleitet habt und den Ozean der Freude in mir neu entfachen konntet.

Ich möchte keinen einzelnen Spieler hervorheben, weil ihr an diesem Tag ALLE, vom Torwart bis zum Zeugwart, alles gegeben habt. Nach dem Dortmund Spiel habe ich über euch geschrieben: Ihr seid es nicht wert dieses Trikot zu tragen. Für das Spiel in Nürnberg revidiere ich meine Meinung gerne.  Die Hoffnung in mir zeichnet einen blauen Himmel daher. Ich sehe blaue Zeiten ohne schwarze Wolken. In zwei Wochen geht es weiter. Genießt die Zeit bis zum nächsten Spiel. Schaut in den Spiegel und ruft hinein: Wir schaffen es.

Wir sehen uns in Freiburg. Verblüffende Grüße von einem kleinen Fan
Christian E.

So, genug der Schmatzerei

Jungs, dass war Weltklasse.  Ihr habt es geschafft, dass ich umgeben von meinen HSV-Freunden eine Gänsehaut bekam. Ihr habt es geschafft das ich in tausende von ungläubigen Augen sah, die alle nicht glauben konnten was auf dem Spielfeld geschah. Die Meute um mich herum war ein Kollektiv des Ausrastens. Die Menschen waren glücklich und zufrieden. Sie strahlten die Freude aus, die ihr uns in den vergangenen Spielen in aller Regelmäßigkeit vermiest habt. Nachdem ich so oft über euch schimpfen musste in den letzten Monaten.Wo Ihr uns mit katastrophalen Leistungen nahe zu schon verwöhnt habt, ihr Auftritte an den Tag gezaubert habt, wo unsere Gesichter schwärzer wurden als die eines Kumpels der nach getaner Arbeit aus dem Stollen kommt. Ihr habt mich so altern lassen, dass ich nun mehr graue Haare habe als Lindsey Lohan je Alkohol trinken kann.

Ich weiß noch wie ich letztes Jahr in München im Stadion stand und den schwangeren Bauch meiner Freundin streichelte, um meinen ungeborenen Sohn zu beruhigen und zu ihm sprach: werd bloß kein HSV Fan.

Doch, wer euren Galaauftritt am Sonntag miterlebte, im Stile einer absoluten Spitzenmannschaft, da sprach ich am Sonntagabend erneut zu meinem Sohn. Er lag in seinem Supermann Outfit auf dem Sofa und ich flüsterte ihm ins Ohr: Du wirst auf jeden Fall ein HSV Fan. Er lächelte.

Olli Kahn würde sagen: Weiter, immer weiter. Andy Möller sagt dazu: Mailand oder Madrid, egal. Hauptsache Italien. Ich sage. Danke für drei wundervolle Punkte. Ich bin nun wieder motiviert und voller Energie. Stuttgart heißt der nächste Gegner.

Kämpfen und siegen. NUR DER HSV.

Hochachtungsvoll
Christian E.

PS: Was EIN Spiel in mir wieder alles entfachen kann. Herrlich. Tausend Küsse an Pierre Michel Lasogga. Auf den nächsten Dreier. Bitte, legt nur einmal nach. BITTE 😉

Die Taschenlampen App

Im Grunde genommen ist es Jahr für Jahr dasselbe Gefühl. Wenn es heißt: Eintracht Frankfurt – Hamburger SV. Für mich als gebürtigen Hessen, der in der kleinen schönen hessischen Kleinstadt Limburg an der Lahn geboren wurde und dort die ersten Jahre seines Lebens lebte, bedeutet das Spiel gegen die Eintracht immer einen kleinen Zwiespalt. Man könnte es auch mit dem Gang nach Canossa vergleichen. In meiner Jugend war ich fast jedes Wochenende in der Bankenmetropole unterwegs und lernte die Stadt Frankfurt aus vielen Blickwinkeln, sowie in verschiedenen Gemütszuständen kennen. Wer die Commerzbank schon einmal hat Tanzen sehen, früh am Morgen- der weiß Bescheid.

Vergangenen Samstag war es dann wieder so weit. Aus der Landeshauptstadt von Hessen reiste ich ins 35 Kilometer entfernte Städtchen am Main. Da ich an diesem Tag die Hinreise alleine hinter mich bringen musste, verzichtete ich auf jegliche Fanutensilien. Ich weiß nicht wie es anderen Fans aus unterschiedlichen Fanlagern ergeht die alleine nach Frankfurt Reisen? Ein ungutes Gefühl ist ein ständiger Begleiter. So wartete ich am Bahnsteig Wiesbaden-Ost auf die S-Bahn und flößte mir den ersten Schoppen des Tages ein. Beim Betreten der Bahn, vielen mir sofort die zahlreichen HSV Fans auf und in mir sprudelten die ersten peinlichen Gedanken. Ich ging tief in mich hinein. „ Bist du ein Mädchen, Christian. Ziehst keinen Fanschal an, vor Angst in die Fänge wilder Frankfurter Totschläger zu geraten, die dich in eine Ecke der Bahn werfen, deine Schuhe klauen, deinen Fanschal beschmutzen und dich mit dem Kopf aus dem fahrenden Zug hängen, nachdem man die Scheibe mit deinem Kopf eingeschlagen hat“.  Ja, dass Leben als frisch gebackener Papa hat so seine Tücken. Den kleinen Fratz nun immer im Hinterkopf, galoppiert man vorsichtiger durchs Leben.

Frankfurt wurde ohne Blessuren erreicht und so marschierte ich in den Gästeblock um mich mit meinen Mitstreitern Heiko und Peter wie verabredet im Block zu treffen. Da meine beiden Leidensgenossen an diesem Tag mit der ganzen Familie anreisten und sich dadurch etwas verspäteten, suchte ich mein Glück im Alkohol. Als der Alkohol seine volle Wirkung entfaltete, der Angstschweiß wieder trocknete, sah ich zu meiner Überraschung Kevin aus Hamburg. Kevin, ich kann mich zwar nicht mehr an alles erinnern über was wir redeten, aber es war lustig.

Je näher der Anpfiff kam, umso erstaunter war ich, dass noch keine Stimmungsmacher den Weg in den Block fanden. Der einzige der verlassen auf dem Zaun hing war unser Vorsänger. Als Kevin sagte: „der guckt schon als nervös auf sein Handy“. Da konnte ich erahnen das irgendetwas nicht stimmte. Keine Fahnen, keine Trommeln und keine Stimmung.  Als der Anpfiff ertönte und die Gesänge, die die Kurve beschallen sollten ausblieben, überlegte ich, ob es am überhöhten Alkoholkonsum lag, oder sich die aus dem nichts gebildeten Gesänge verschwommen anhörten. Ohne Bildung einer musikalischen Einheit, querbeet, von oben nach unten. Es war ein Grauen. Wo wart ihr denn? So wie ich hörte hat man viele von euch nicht in das Stadion gelassen. Andere waren womöglich an der Schlägerei an der Autobahn A5 beteiligt.  An diesem Abend wurde mir wieder einmal deutlich wie abhängig wir von einem Mann auf dem Zaun und seinen Gehilfen sind. Stimmungstechnisch war es an diesem Abend in Frankfurt fürchterlich. Nürnberg wird hoffentlich wieder besser.

Eigentlich konnte es nun nur besser werden. Unser neuer Holland Coach, der Bert- Gott habe ihn gnädig und ermögliche ihm eine längere Trainerzeit, entfachte in vielen Spielern ein neues Gefühl. Laut den Aussagen der Spieler war es die richtige Entscheidung. Unsere Kicker strahlten wie mein kleiner Sohn wenn er gebadet wird oder wie unser Nachbarkind beim spielen von GTA. Neuer Trainer, neues Glück, doch das alte Spiel. Gähn. Das, was an diesem Tag gepasst hat war eure Moral und eure kämpferische Einstellung.  Das Spielerische wird euch euer neuer Lehrmeister wohl hoffentlich zügig beibringen. Ein Punkt in Frankfurt, Olé. Der jüngste auf dem Feld: Jonathan Tah, mein Hoffnungsschimmer in unserem Abwehrchaos. Klasse Leistung Junge. Wenn jetzt noch Heiko Westermann seine Schuhe an den Nagel hängen würde, dann glaube ich auch wieder an ein zu Null Spiel in der Bundesliga.

In der Halbzeit kam dann das Highlight des Tages. Nachdem ich endlich meine HSV-Genossen, Heiko und Peter mit ihren Familien begrüßen konnte, führte mich im Anschluß der direkte Weg auf die Toilette. Da stand ich nun, erledigte meine Notdurft und blickte im Gefühl der Erleichterung nach links. Ich konnte es kaum glauben wer neben mir stand. Mein ehemaliger Chef: Dominik. Im Freudentaumel über das Wiedersehen, umarmte ich ihn inmitten aller anderen, die Hände unrein und die Hose noch halb offen. Alkohol oh Alkohol.

Weiter ging es mit der zweiten Hälfte, die ich fortan aus gefühlten vier Augen sah und mich über 6 Schiedsrichter und 44 Feldspielern wunderte. Sachen gibt es. Ein hoch auf den Hopfen.

Als Jansen kurz vor Ende der Partie das moralische 2:2 erzielte war ich ein klein wenig Zufrieden. Im Pokal sind wir eine Runde weiter. In der Liga haben wir nun 5 Punkte. Es geht bergauf.

Auf dem Weg in Richtung Auto, durch den düsteren Riederwald zückte ich gekonnt mein Smartphone und  aktivierte die Taschenlampen App. Ich blickte in zwei strahlende Gesichter. Peters Jungs guckten mich an und sagten beide im Chor, voller erstaunen: „Cool, du hast eine Taschenlampen App“.

Ja, meine kleinen. Was wir Erwachsenen so alles mit uns führen. Erstaunlich, oder?  Jetzt freue ich mich auf Nürnberg. 

Auf drei Punkte. NUR DER HSV

Christian E.

Ein ganz normaler Sonntag im Wilden Osten

Stadionromantik
Stadionromantik

Neulich im Büro:

Die Sensation ist perfekt. Der Hamburger SV zieht in die zweite Runde des Deutschen Fußball-Pokals ein. Nach einem Spaziergang in Jena – gegen den immerhin amtierenden Thüringen Pokal-Gewinner 2013, den Fünftligisten TSV Schott Jena – gelang ein überzeugender 0:4-Kantersieg. Den Zuschauern bot sich über 90. Minuten ein einseitiger Kick. Der Hamburger SV dominierte die Partie nach Belieben, legte ein bis dato so nie gesehenes Pressing an den Tag, das dem Favoriten aus Jena sowie den Zuschauern im ausverkauften Ernst-Abbe-Sportfeld vor der Rekordkulisse von 120.000 Zuschauern der Atem stockte. Bei herrlichem Sonnenschein und Freibier im Gästeblock war die Stimmung grandios. Aufgrund der Vorkommnisse auf dem grünen Rasen, der englisches Niveau besaß, war das Topspiel ein Spektakel der Extraklasse.

Die Scouts vom FC Barcelona, Real Madrid und dem FC Bayern München kritzelten ihre Notizbücher mit Hinweisen auf die Stärken der Spieler des HSV so voll, dass sich aufgrund des vielen Schreibens die Bleistiftspitze entzündete, ein Feuer sich entwickelte. Die Scouts wurden des Stadions verwiesen und müssen eine Anzeige wegen des Abbrennens von Feuerwerkskörpern in Kauf nehmen. Obendrauf wird ein mehrjähriges Stadionverbot erteilt. Da die Flutlichtmasten aufgrund der schlechten Witterung der vergangenen Monate diesem Spiel nicht beiwohnen konnten, entwickelte sich für alle anderen Augen sichtbar ein Feuerwerk aus Kreativität, Spielfinesse, Ballerorberung, schnelles Umschaltspiel sowie einen Torriecher beim auf der Bank sitzenden Rudi Rudnevs, so dass sich die Flutlichtmasten im Hintergrund des Stadions vor Aufregung und Spielgeschwindigkeit im Zickzack bogen.

Die Security-Mitarbeiter, kleine schmale liebenswerte Geschöpfe, standen applaudierend auf den Zäunen und buhten ihren Verein – den TSV Schott Jena – aus und raubten herumstehenden Veteranen die Trikots, Schals und Mützen. Im Rausch der Gefühle  kündigten alle mit sofortiger Wirkung ihren bestens bezahlten Job und begleiteten den HSV-Tross nach Hause in die Hansestadt. Nachdem das Freibier schon zur Pause ausgeschenkt wurde, organisierten die Hausherren zum Dank für die spielerische Überlegenheit und faszinierende Spielweise weitere 10.000 Liter Freibier, die vom umliegenden Kiosk, „Attakan“ geliefert wurden.

Auch heute fehlte den Stadionbesuchern, die zum größten Teil mehrere hundert Kilometer Anfahrtsweg hatten, die Partie Live im Stadion verfolgen durften, die Sprache. Im näheren Umkreis mir bekannter Bekannten dreht sich auch Tage nach dem Spektakel alles nur um diese Party auf dem Rasen. Es klingt wie: Wer wird Deutscher Meister? HA HA HA HSV.

Es klopft an der Bürotür und stürmt herein:

„Träumst du schon wieder während der Arbeitszeit Christian? Oder warst du wieder an meinem Schreibtisch und hast an der grünen Dose genascht? Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du die Finger von der Dose lassen sollst. Lies doch mal was du da geschrieben hast? Das können wir nicht veröffentlichen. Was hast du denn für Augen? Meine Güte. Wir müssen reden, komm in mein Büro.“

Stunden später … die Wahrheit. Wollt ihr sie wirklich wissen?

Es war zuerst recht feucht. Die Stadtgrenze von Jena war in Sichtweite, da ergoss sich eine Ladung wie aus Gießkannen vom Himmel herab und brachte Erdmassen ins Rutschen. Die A4 glich einem Fluss aus brauner Farbe. Der Weg zum Stadion war ebenfalls nass. Ich zog meine Schuhe aus, damit ich die Pfütze, die die ganze Wegesbreite überzog, durchqueren konnte, um zu den Stadiontoren zu gelangen. Ich ging barfuß an der grünen Staatsmacht in Richtung Eingang vorbei.

Endlich angekommen, begrüßte mich eine Mischung eines exzellenten Duftes: Schweiß und nasse Klamotten. Freie Oberkörper. Riecht wie nasser Hund. Endlich wieder Stadion. Doch als  ob das nicht genügte, stand ich nun da, umgeben von drei netten Damen, die Fußballsachverstand nur so ausstrahlten – die eine mit einer Trillerpfeife, ihre Freundin blies Seifenblasen in den Himmel über Jena. Das Spiel begann und ein Farbenspiel aus verschiedenen Farben verschönerte den Block. Anpfiff.

Etwas Farbe an dem grauen Tag
Etwas Farbe an dem grauen Tag

Was durfte ich erwarten? Vom Papier natürlich einen klaren und hohen, sowie technisch einen schön heraus gespielten Sieg. Gegen einen Fünftligisten. TSV Schott Jena. Das Gute an dem Ganzen: Da ich stand, konnte mich wenigstens nichts vom Hocker reißen. Was es auch nicht tat. Chancen waren da und wurden kläglich vergeben. Der Fünftligist fightete und wir hielten dagegen. Pause: 0:0. Wahnsinnskick.

Ehrentribüne
Freien Blick auf die Landschaft
Freien Blick auf die Landschaft

Als ich zufällig Kevin traf, war das der erste Lichtblick an diesem Tag. Somit musste ich das ganze Theater nicht mehr mit mir alleine ausmachen. Doch als Kevin in der 70. Minute sagte:  „Eine Verlängerung habe ich aber nicht eingeplant“… Kann sich nun jeder denken: ich wurde stutzig. 70. Minute 0:0. Im Block stimmte man schon vor Langeweile einen Gesang an, der Potenzial für mehr hat:

Zieh das Hemd in die Hose, zieh das Hemd in die Hooose, zieh das Hemd in die Hoose. Hemd in die Hose

In Anspielung auf eine etwas, sagen wir, leicht kräftigere Dame der Sicherheitseinheit, die Ihr Hemd locker leger aus der Hose hängen ließ,. Als im Anschluss der Klassiker gesungen wurde:  Wer wird deutscher Meister? HA HA HA HSV.

Da hatte auch der eingewechselte Rudi Rudnevs ein Einsehen mit den mitgereisten HSV-Fans und erzielte innerhalb vier Minuten einen Doppelpack. Ich traute meinen Ohren nicht. Alle mitsingen jetzt.

Erste Runde Bukarest, zweite Runde Rom,
in Kopenhagen schellt das Telefon,
vielleicht nach Rotterdam,
vielleicht nach Mailand,
vielleicht auch Teneriffa eine Woche Sandstrand!
Europapokal, Europapokal…

Die Stimmung war ausgelassen und als VDV das 0:3, sowie unser neuer Top-Torjäger vom FC Basel, Zoua, das 0:4 klar machten, waren wir eine Runde weiter. Zoua, ich wusste, der kann was. Wer in 25 Spielen als Stürmer ein Tor erzielt, der passt zum HSV. Die weiteren Highlights des Tages: Bremen und St. Pauli raus. Und wir sangen: Berlin, Berlin wir fahren nach Berlin.

Wenn ich das jetzt so schreibe. Dann denke ich mir nur: Hoffentlich wird das nicht bestraft. Es lag zwar eine Menge Sarkasmus in den Gesängen, aber für andere wird es reichen, es uns um die Ohren zu hauen bei Bedarf. Doch da ich Fan der Rothosen bin, weiß ich: Es wird bestraft. Endlich Schlusspfiff. Die Spieler glitten noch am Zaun entlang und ich verabschiedete mich von Fredo und Kevin. 340 Kilometer lagen jetzt noch zwischen Jena und meiner Heimat. Ich saß noch keine Fünf Minuten im Auto, als im Radio die Meldung kam

Die A4 ist in beide Richtungen voll gesperrt. In Fahrtrichtung Frankfurt sind aktuell 13 Kilometer Stau. DIe Polizei kann noch nicht sagen, wann die Autobahn wieder freigegeben wird, da die Reinigungsarbeiten noch andauern.

Applaus. Der Grund lag auf der Hand. Da die Autobahn unterhalb der riesengroßen Baustelle liegt, wo zwei riesige Tunnel gegraben werden, um die Autobahn zu verlegen, weichten die Regenmassen den Boden auf und dieser fegte in Form von schlammigem Wasser über die A4 hinweg.

Da mein Navigationsgerät im Handy nichts weiter anzeigte als: GPS Signal wird gesucht, war mein Plan entlang der Autobahn auf leeren Landstraßen, winkend an den im Stau stehenden Teilnehmern vorbei zu fahren.

Als ich irgendwo zwischen Jena, Rödelwitz und Neuendorf im tiefsten Osten stand, ohne Ahnung wohin mit meinem Mietauto. Nach Rechts links oder geradeaus? Fragte ich im Apolder-Dorfkrug  verzweifelt nach dem Weg zurück zur Autobahn.  Die erste Reaktion des Wirtes:  Wie haben sie denn hier her gefunden. Und musste Grinsen!!

Gegen 0:00 Uhr war ich endlich Zuhause. 2 Runde DFB Pokal. Hauptsache weiter.

Ich:    Chef, so besser?
Chef: Lass mal gucken.

Fehlt nur noch das Unkraut für ein perfektes Bild
Fehlt nur noch das Unkraut für ein perfektes Bild

Ich verabschiede mich mit den Worten von Carl Edgar Jarchow: „Wir sind auf Augenhöhe mit Schalke und Wolfsburg“.

Sonntag. Schalke 04 gegen den Hamburger SV. Es geht los und ich bin ab sofort in Babypause.

In diesem Sinne. Kämpfen und siegen.
NUR DER HSV

Christian E

Stell dir vor, die Bundesliga beginnt. Und du wirst Vater

…die letzten Wochen der Ruhe und Entspannung. Die letzten Tage im alten Leben. Die Tage vergehen, die Bäume blühen, die Vögel singen dich am Morgen aus dem Bett. Die Ruhe vor dem Sturm. Es wird Ernst.

Die Bundesliga geht in wenigen Tagen in ihre 51. Spielzeit. Ich gehe in meine erste, in eine bisher unentdeckte Spielzeit meines Lebens. Ich werde Papa. Während die erste Eintrittskarte vor wenigen Wochen in meinen Briefkasten flatterte, schläft in wenigen Wochen mein Sohn in seinem Bett neben meinem. Trotz der Freude auf das Papa-Dasein, das Verlangen nach dem rollenden runden Leder steigt ebenso. Die Vorfreude auf den Anpfiff, die Vorfreude auf die Fußball-Freunde, auf das Grinsen wenn man den Block betritt.

Ich gehe als Fan in meine 27. Saison, als Vater in meine erste. Die Fragen der letzten Wochen, die mir Freunde, Arbeitskollegen und Bekannte stellten, drehten sich allerdings nicht mehr nur um Fußball. Viele stellten Fragen, die mir neu und unbekannt sind. Ich antworte unerfahren und ruhig. Doch eine Frage blieb hängen und ist der Grund, weshalb ich diesen Artikel schreibe.

Die Fragenden: Hey Christian. Wie ist das denn, wenn der Nachwuchs da ist. Mit Stadion fahren ist es dann vorbei, oder?
Ich: Hä?
Die Fragenden: „Du fährst doch so oft auswärts, das war es dann, oder nicht?
Ich: Hm?

Eine von vielen Fragen, doch die prägendeste, was Fußball betrifft. Ich frag mich so kurz vor dem Anpfiff? Ertönt für mich schon der Abpfiff? Ist es vorbei, bevor es erst so richtig losgeht? Stehe ich bald nicht mehr auswärts im Block? Habe ich keine Bier-verschmierten Haare mehr, keinen Torjubel und „Schiri du Arschloch“-Rufe? Erspare ich es mir, im Stau zu stehen, auf spiegelglatten Fahrbahnen zu schleichen, nur für 90. Minuten? Verantwortung? Fehlanzeige!!

Die Politik debattiert über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Doch ich frage mich? Wer debattiert über die Vereinbarkeit von Fußball und Familie?

Was erbe ich? Babylachen, kleine blaue Babyaugen, ein Lächeln am Morgen und ein Pups am Abend? Popo putzen oder schmusen mit dem kleinen Zwerg? Bewundere ich dafür seine ersten Schritte, seine ersten Wörter? Liege ich demnächst 90 Minuten mit meinem Sohn auf dem Bauch und schaue die Spiele von Zuhause aus an? Was erwartet mich? Wie für Frau Merkel das Internet Neuland ist, so ist meine erste Baby-Spielzeit ebenfalls Neuland. Obwohl, Babys gibt es doch schon länger als das Internet. Verwirrende Zeiten.

Was nun? Ändert sich jetzt alles, werde ich von der Politik im Stich gelassen? Die Bundesliga steht vor dem Anpfiff. Und ihr, liebe Politiker? Ihr mischt euch nicht ein? Ihr meldet euch doch sonst so gerne zu Wort. Es ist Wahlkampf, Angela. Sollen wir etwa für uns selbst bestimmen? Traut ihr uns das zu?

Als der Spielplan der Bundesliga am 21. Juni auf die Welt kam, geboren aus einem PC, so war Frau Merkel beeindruckt. Ich überflog den Spielplan. Meine erste Frage: In welcher Woche ist meine Freundin schwanger und wann war der errechnete Termin? Ich zog die Wurzel aus allem was ich konnte, dem Zahlenwirrwarr hingegeben. Und ich war besänftigt. Zwischen dem 4. und dem 5. Spieltag wird es voraussichtlich soweit sein. Ein neuer HSV-Fan wird geboren.

Doch die Frage verfolgt mich. „Mit Stadion fahren ist es dann vorbei“? Verzichte ich auf Auswärtsspiele, wie viele Frauen auf ihren Beruf für Monate? Die Ernte: entgeisterte Blicke, besserwissende Parolen.

Ich bleibe trotzig:  Natürlich fahre ich noch auf Auswärtsspiele?
Viele antworten: Das werden wir ja sehen.

Ich will die Welt verstehen. So begab ich mich auf Spurensuche und fand eine Rechenaufgabe, auf vergilbtem Papier und leicht zerknittert, datiert auf das Jahr 1993.

Angenommen Fritz ist Fan vom Hamburger SV. Er ist Auswärtsfahrer und besucht so viele Auswärtsspiele wie möglich. Bei zwei Auswärtsspielen im Monat und 30 Tagen, ist er im Schnitt an einem Spieltag 10 Stunden unterwegs. Fritz bekommt ein Baby. Eure Rechenaufgabe: Wie viele MÖGLICHE Stunden bleiben Fritz im Monat, um Zeit mit seinem Baby zu verbringen? Bitte drückt beim Nachdenken unten in dem Video auf Play. Ihr habt 37 Sekunden.

Wie so viele Tageszeitungen vor großen Ereignissen gerne berichten, in Spielen, wo Helden geboren werden, vor Spielen der Unendlichkeit. So versuche ich  mich im direkten und gewagten Vergleich und veröffentliche dieses bislang streng unter Verschluss gehaltene Interview, das genau zu meinem aktuellen Thema passt. Offene Manndeckung und Abseits, das war einmal.

Fußball gegen Baby

Uwe Windel: Hallo Herr Fußball und Herr Baby. Herzlich willkommen zum offenen Interview. Schön, dass ihr beide Zeit gefunden habt. Es ist ja noch ein wenig Zeit, bis es losgeht.

Herr Fußball: Ok, Herr Windel. Schießen Sie mal los. Ich muss noch in die Vorbereitung
Herr Baby: Ja genau. Vorwärts, ich muss schließlich noch wachsen. Uwe Windel, ein lustiger Name.

Uwe Windel: Verzeihung, das soll ein seriöses Interview werden. Bitte gehen Sie das beide auch so an. Nun ihr beiden. Ich habe mich kürzlich mit ChristianE unterhalten. Er bekommt in letzter Zeit sehr oft die Frage gestellt, ob er auf die Auswärtsspiele verzichtet, wenn Sie, Herr Baby auf der Welt sind. Was würden Sie sagen, damit er weiterhin zu den Spielen fährt, Herr Fußball?

Fußball: Ich weiß nicht, auf welchen paranoiden Kreuzügen Sie wieder unterwegs sind, aber zu allererst: Waren Sie schon einmal im Stadion, mit den richtigen Leuten, Herr Windel?

Uwe Windel: In einem Stadion? Igitt. Als ob ich daran interessiert wäre, zum Teil noch pubertierenden Jungs zuschauen zu wollen, die einem Ball hinterher laufen. Das Beste. Um dann zu sehen, wie toll sie doch sind. Um Bilder dann bei Facebook, mit Baseballcapy und Peace Zeichen hochzuladen aus Ibiza? Pff.

Herr Fußball: So wie sie reden, kann ich mir gut vorstellen, dass Ihnen das gefällt. Egal. Da Sie noch nie in einem Stadion waren. Christian weiß, was er an mir hat. Ich weiß, wie er es mag in der Kurve, im Block zu stehen. Mit seinen Freunden, die er im Laufe der Jahre im Stadion kennenlernen durfte. Es mag es, ein Bier zu trinken; er liebt es, seinen Verein zu supporten über 90 Minuten. Er braucht dieses Umfeld, das Laute, das Unwirkliche, den Torjubel, die Gesänge und die Rivalität. Die Vorfreude auf das Spiel, auf die Fahrt zum Gegner. Die, die es jetzt spüren, die verstehen ihn. Fußball, bleibt Fußball. Was ist Uwe eigentlich für ein Name. Klingt wie Helmut.

Uwe Windel: Werden Sie jetzt bitte nich frech. Ich bin als neutraler Journalist anwesend.

Baby: Ähm, hallo. Wie war das mit einem seriösen Interview, Herr Windel?
Fußball: Ruhe Baby. Der Junge stinkt.

Baby: Ähm, das bin ich.
Fußball: Du? Oh gott.

Uwe Windel: So, genug der Scherze und Reibereien. Was würden Sie Herr Baby, Christian denn sagen, damit er das mit den Auswärtsspielen bleiben lässt?

Baby: Wenn ich jetzt schon sprechen könnte, dann würde ich ihm sagen. Irgendwann, dann darfst du wieder. Nimm mich dann einfach mit.

Uwe Windel: Bitte etwas genauer.

Herr Baby: Ach man. Haben Sie keine Kinder?
Uwe Windel: Ähm, nein. Leider nicht.

Herr Baby: Dann kennen sie nicht das Gefühl, seinem kleinen Baby beim Schlafen zuzusehen, wie es klein und zerbrechlich neben ihm liegt. Wie es ist, wenn er in die Babyaugen schaut und in den Pupillen lesen kann. Ich brauche dich. Fahr nicht. Wenn ich in seinen Armen liege, meinen Kopf auf seinem Bauch liegen habe, ich nieße. Haben Sie diesen Anblick schon einmal erlebt? Er darf meine Windeln wechseln, nachts um drei. Er darf mich durch die Wohnung tragen, wenn ich vor Langeweile nicht schlafen möchte. Irgendwann schläft er ein und vergisst den Fußball, er wird das Spiel vergessen.

Herr Fußball: Gähn, bist du langweilig. Das wird den nicht abhalten. Windeln wechseln, pah. Die Kurve ruft.

Baby: Ich rufe auch bald.

Uwe Windel: Ich merke, zwei interessante Perspektiven. Ich würde, da beide Seiten Neuland für mich sind,  die mit dem Baby vorziehen. Ich wollte schon immer Kinder (Uwe Windel sitzt verträumt auf einem Sofa)

Herr Fußball: Na toll. Jetzt fängt der Uwe auch von Kindern an? Schon einmal eine Windel gewechselt, Herr Windel?

Herr Baby: Ey, lass Herr Windel in Ruhe. Sonst pups ich.

Uwe Windel: Das wird mir hier zu albern. Ich habe mir eure Vorzüge, sowie die nicht so erfreulichen Dinge notiert und werde diese an Christian weiterreichen. Zum Abschluss. Zu Ihnen, Herr Fußball. Ich habe schon eine Windel gewechselt. Und wie haben Sie das ohne Arme gemacht? Hinüber gerollt, mit Saugstreifen auf dem Leder… Guten Tag.

Fußball: Was ein Typ, alta alta.
Baby: Ich fand ihn nett.
Fußball: DU….
Baby: Riech mal….

Trotz der vielen hilfreichen und lustigen Kommentare der beiden da oben – danke. Wer weiß schon, was kommt und wie es werden wird. Ich weiß, dass beides geht und ich mich freue. Der wilde Osten wartet. Jena ruft. Dann ist Babypause. Doch das mit dem planen, dass lass ich dann. Ich habe ja eine Auswärtsdauerkarte. In diesem Sinne.

Tuerkei2013 (957)

Tollpatschige Grüße, mit schwarzweißblauen Händen.

Christian E.

Jubel, Trubel, Heiterkeit

So, genug gemeckert in den letzen Wochen.

Beginne ich mit den Worten von Markus Gisdol, Trainer der TSG Hoffenheim.

Er sagte: Der HSV hingegen hat heute sehr zielstrebig sowie konzentriert gespielt und war brutal effektiv im Torabschluss.

Dem stimme ich zu und könnte somit eigentlich meinen Beitrag auch mit diesen Worten beenden, weil in diesem Satz die ganze Wahrheit liegt. Ich applaudierte euch während des Spiels. Nach Schlusspfiff stand ich immer noch da und applaudierte. Heute ist Sonntag und ich applaudiere immer noch. Euer Spiel, oder eure Aufführung am gestrigen Samstag, das hatte Stil und Leidenschaft. Eine spielerische Finesse sowie Druck und Willen im Abschluss. Das war Fußball. Danke.

Doch nicht nur auf dem Rasen spielten sich Szenen ab, die erwähnenswert sind. Laut einem imaginären Polizeibericht kam es am Samstag…

….in der Zeit zwischen 15:30 Uhr und 17:25 Uhr Ortszeit zu Erschütterungen im Gebiet um das Rhein Neckar Stadion. Der Seismograf zeigte deutliche Erschütterungen an und die Gefahr eines mittleren Erdbebens war gegeben. Nachdem zahllose Wissenschaftler sich sofort auf die Suche des Auslösers begaben, wurden die Schuldigen, bzw die Ursache für das Anschlagen des Seismografen ausfindig gemacht. Laut der Aussage eines Wissenschaftlers waren Fans des Hamburger Sport Vereins für die Erschütterungen verantwortlich. Daraufhin konnte Entwarnung für die umliegenden Bewohner gegeben werden.

Polizei Heidelberg, 12.05.2013. Zeuge D. Hopp

Tradition schlägt jeden Trend. Tolles Banner

Es kam in der Tat einem Erdbeben gleich. Warst du/ihr da? Wenn ich an gestern zurückdenke, an das, was um mich herum geschah, was den Seismografen zum Zittern brachte, das waren wir. Die Stimmung, oder darf man es einen Orkan aus Tausenden von Kehlen bezeichnen? Ich stand da, ich hüpfte, ich lachte und ich ächzte, meine Stimme wurde rau. Mein Körper bebte, ich war voller Adrenalin und schrie es so laut heraus, wie ich konnte. „Hüpf oh Hamburg, hüpf olé olé, olé“. Ich schwitzte und sang. Der Schweiß der lief in Strömen. Ich sah um mich herum, nach oben und unten, links wie rechts dasselbe Bild. Jeder Einzelne für sich, er schrie und sang, er hüpfte und holte alles aus sich heraus. Wir standen dort in einem Chor und feuerten und schrien, so laut, wie jeder konnte.

Thorsten Fink: Ein großer Dank geht auch an unsere Fans, die heute zahlreich mit nach Hoffenheim gereist sind und die Mannschaft grandios unterstützt haben.

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Der Support von Hoffenheim, ähm. Moment. Habe ich Support geschrieben? Ups. Die Zuschauer mit den Fanklatschen? Mit dem möglichen Abstieg in die zweite Liga seid ihr noch gut bedient. Stimmungstechnisch kämpft ihr auch in der zweiten Liga von Anfang an gegen den Abstieg.

Das auf den Rängen, der Orkan, der eure Haare fliegen ließ, euch eure Fanklatschen aus euren Händen blies. Das waren wir. Auf Wiedersehen.

Der Rasen und die Tornetze

Wo keine Stimmung, da auch keine Leistung. Ihr seid das Beispiel dass Geld eben doch nicht immer Tore erzielt. Nun ja.

Und wir? 4 Auswärtstore. Das hatte Dortmund Style. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe oft geschimpft mit euch wie mit einem kleinen Jungen. Ich war etwas sauer über eure Leichtfertigkeit und großen Sprüche. Was soll ich dann zu Spielen wie gestern schreiben? Das war großartig. Danke. Ich war teilweise so irritiert, dass ich Pep Guardiola auf unserer Bank sitzen sah. Schnelles Spiel, Doppelpass, schnelles Umschalten und die Abwehr hielt. Kein löchriges Band, ein Streifen aus Tesa, kein Durchkommen. So stellte ich mir das schon so oft vor. Ihr habt es doch noch geschafft. Gestern war ich glücklich. Glücklich über eure Leistung. Es geht, ihr müsst nur wollen. Danke schön.

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Alle Jahre wieder im Mai

Das beste kommt bekanntlich zum Schluss. Ein paar kurze Zeilen in eigener Sache. Mai bedeutet auch immer Abschied nehmen. Abschied von seinen Freunden, die man im Lauf der Jahre kennenlernen durfte. Ohne euch kann ich mir das alles nur noch schwer vorstellen. Ihr macht jeden Stadionbesuch zu etwas Besonderem, auch wenn unsere Jungs auf dem Feld was anderes zeigen.

Danke an Heiko und Peter, dass ihr beiden mich zu 90% aller Spiele mitnehmt und mir somit die Gestaltung der Auswärtsfahrten extrem erleichtert. Vielen Dank. Und Heiko. Eben viel es mir beim Schreiben wieder ein. Du hattest Geburtstag. Am 9. Mai. Ich schäme mich. Alles Gute.

Danke natürlich auch nach Hamburg. An Yvonne und Marcel, an Yasmin und Denise. Von euch bekomme ich so oft Karten wenn ich den Vorverkauf mal wieder verschlafen habe. Danke schön. Und natürlich an Frank, meinen HSV Lieblings Ultra im zarten Alter von XX. Du lässt die Achtziger wieder aufleben. Alter spielt bei dir keine Rolle. Es ist schön euch alle kennengelernt zu haben. Auf die nächsten Jahre. Und zu guter Letzt. Hat jemand Frederick gesehen? Huhu, Fredo. Wo bist du?

Europaaaaaa, wir kommen. Erinnert ihr euch? Last Minute……damals in Frankfurt. Kämpfen und Siegen, Jungs. In diesem Sinne. Bis bald.

Mit freundlichen Grüßen
Christian E.

Liegt Europa eigentlich in Deutschland?

Thorsten Fink: Meine Mannschaft hatte das Spiel in den ersten Minuten im Griff. Alles lief bis zum Führungstreffer für uns nach Plan. Doch dann haben wir Schalke durch einfach Fehlpässe ins Spiel kommen lassen. Wir waren heute nicht clever genug und haben verdient verloren. In der zweiten Halbzeit hat sich Schalke qualitativ von einer anderen Seite als wir gezeigt. Und sie hatten heute mit Huntelaar auch einen echten Trumpf auf dem Platz, der dort steht, wo man als Torjäger stehen muss.

Bitte Papa, fahre nicht. Gehe mit uns aufs Weinfest. Es ist nicht leicht seine kleine weinende Tochter zurück zu lassen um zum Fußball zu fahren. So war das letzten Sonntag. Heiko, ich hoffe deine Tochter hat sich wieder beruhigt. Ahnte sie vielleicht was uns erwarten würde?

Es ist nicht immer einfach, die richtigen Worte zu finden. Unserem Trainer geht es wohl genauso. Ich überlegte eine Weile und schrieb los. Das Gesehene, dass unüberlegte, dass spielerische zusammenzufassen verwirrt mich zunehmend.  Genauso ist es mit den Auswärtsfahrten. Ich überlege, ob ich fahren soll, die schlechten Spiele stets im Hinterkopf präsent, ein Konflikt im inneren, der Zwiespalt riesengroß. Da steht man dann nun wieder. Wie soll es auch anders sein. Was man auf Schalke zu sehen bekam, bestätigte mich wieder einmal aufs Neue. Das Gekicke bricht einem den Mut.

Die Moral von der Geschichte. Die Sucht nach der Kurve bleibt immer bestehen und so steht man nun wieder mittendrin. Umgeben von seinen Freunden und Leidensgenossen, in den Blicken Hoffnung und Glaube. Heute geht einer.

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Wenn die Ausnahmen nicht die Regel wäre. Nach Abpfiff war ich mir sicher. Scheiß auf Hoffenheim. Da fahre ich nicht hin- eine halbe Stunde später. Die Kehrtwende. Ich fahre doch. Die Angst was zu verpassen, zu groß. Vielleicht ein 1:5, oder 2:9. Ein 1:4?

In zwei Wochen stehe ich nun, wie viele andere wieder in der Kurve. Das letzte Auswärtsspiel der aktuellen Saison. Trotz der zum Teil ungenügenden Spielaufführung der Protagonisten, die einem den Spaß an die wöchentlichen Fahrten ein klein wenig versauen.

Wir wollen nach Europa“. Das war vor dem Schalke Spiel zu lesen. Die Chance abermals zum Greifen nah. Freiburg, Gladbach patzen, sowie die Eintracht aus Frankfurt. Sofort meldete sich das Chaos im oberen Teil. Mein Hirn. Wen wundert es dann. Wenn ich schon so verwirrt bin, wieso dürfen die Spieler dann nicht verwirrt sein? Europa war was?  Linke Abfahrt oder geradeaus durch die Kurve? Wo liegt Europa? Und wo liegt der Pokal?

Gemerkt habe ich davon, bis auf die ersten sieben Minuten wenig. Ab der 9. Minute wurde es einem eindrucksvoll bewiesen. Nach Europa will nur der FC Schalke. Doch, ich möchte auch nach Europa? Was nun? Nun reise ich bald in die Türkei. Geografisch eher Asien, aber egal. Ich will nach Europa.

Was sind eigentlich die Urlaubsziele unserer Stars? Thailand, Amerika oder Nordkorea? Von Europa ist jedenfalls nichts zu spüren.

Es ist traurig doch leider die Realität. Und bevor wieder diese ganzen Jammersprüche von andern Fans kommen.

Ja ich weiß, wo wir letzte Saison standen. Bla bla.

Doch kann man nicht endlich am 31. Spieltag verlangen, dass die Spieler ihre Laufwege kennen, dass der eine weiß, wo der andere gleich hinläuft. „No look“ Pass. Ok, jetzt übertreibe ich. Doch selbst mit sehendem Auge finden sie ihre Mitspieler nicht. Pässe in den freien Raum, nur leider ohne Mitspieler. Unsere Abwehr, wenn man es so deklarieren darf, eine deformierte Zusammenstellung aus Raumschiff Enterprise und Best of Helene Fischer. Schrott.

Es tut mir Leid, dass ich das so offen schreiben muss, ich meine es auch gar nicht böse, doch wenn ich euer Spiel, was ihr als Fußball spielen auszeichnet, sehe, dann stecken mir die Brocken im Hals fest. Harte Worte. Ich schäme mich.

Es ist echt nicht leicht. Zu eurer Leistung fehlen mir echt die Worte. Nach zwei zum Teil glücklichen Siegen war ich zurück in der Realität. Viele von euch Reden von und über Europa, aber das Können dafür fehlt leider. Zum Glück konnten wir Abstiegskampf.

Und nun? Heimspiel gegen Wolfsburg. Wer am Ende heulen wird? Ein Wolf, oder ein Seemann?

Und für diejenigen die auf die Idee kommen sollten eine Leiter mit ins Parkstadion zu nehmen. Leider verboten….sowie Waffen, Marihuana oder auch eure treuen Vierbeiner müsst ihr leider zuhause lassen. Strenge Regeln bei den Knappen. Ich bin verwirrt.

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Auswärtssieg, auswärtssieg…….

Europäische Grüße aus Hessen,
Christian E.