Eine Überschrift, die keine ist

Ohne Ideen und Schreibstil. Schreiblos in Wiesbaden. Ohne Mut und mit wenig Elan, fiel mir eine Zeit lang einfach nichts mehr ein. Was sollte oder konnte ich nur Schreiben? Plötzlich spürte ich sie. Die Blockade. Wie fasse ich das Gesehene in Worte und bringe es vor mir auf das virtuelle Blatt hernieder? Ich wusste es nicht mehr. Sollte ich über den Sieg in Dortmund schreiben? Vielleicht über die unsäglichen Heimspiele gegen Frankfurt, Fürth oder Augsburg? War der Lichtblick im Derby gegen Brähmen Grund genug? Ich wusste es einfach nicht mehr. Da passierte es. Sie sprachen zu mir.  Mein Monitor sagte, „Hallo“, meine Tastatur signalisierte mir den Weg aus dem Dschungel der Buchstaben und die Boxen feuerten mich an.

Wie ein Feuerwerk am Abendhimmel. Wie ein fast ertrunkener sich über Luft freut, so saß ich da in meinem Zimmer in Wiesbaden. Der Monitor schaute mich plötzlich so fragend an, die Farben aus seinem Gesicht verschwunden? „Was ist los“? Die Tastatur vibrierte und die Tasten bewegten sich von ganz alleine. Die Signale waren eindeutig: „Bewege deine Finger und lass diese Schweben über meinen schwarzen zarten Tasten“. Die Boxen ermunterten mich: “Go Christian, Go Christian.“ Die Maus in meiner rechten Hand zuckte.

Ich muss zugeben: Wäre ich einer derer, die ihr Geld mit dem Schreiben verdienen, deren Leben davon abhängt, ich würde heute wohl in den Fluren des Arbeitsamtes sitzen, mit einer gezogenen Marke in der Hand, wartend in der Hoffnung auf die Durchsage: „Der nächste bitte“.

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Und so sitze ich hier wieder. Total motiviert und voller Ideen. So schreibe ich nun gleich munter los. Sollten die Zeilen den Glauben an gute Literatur zerstören? So sage ich „In der Kürze liegt die Würze“. Meine Tastatur bereute es kurz darauf, ermächtigte sich meiner Finger und ließ mich schreiben: „Reg dich doch nicht so auf. Es ist doch nur Fußball, Digga“. Nur?

„Oder genau deswegen – weil es Fußball ist“? So fing auch ich an mit meinen neuen Freunden aus Plastik zu kommunizieren und sagte zum Monitor: „Siehst du nicht, was du da Woche für Woche ausstrahlst?“ Ohne zu überlegen antwortete mein Monitor: „Doch, auch ich bin es Leid, aber was soll ich dagegen tun, du schaltest mich ja permanent ein. Wenn es nach mir gehen würde, dann würde ich gar kein Fußball gucken“. Sind Monitore femininer als Boxen? Regen wir uns alle wegen „Fußball“ auf, oder eher wegen der Protagonisten, die es versuchen zu spielen, aber leider nicht immer können? Große Reden schwingen um im Anschluss … ihr kennt das.

So schrieb ich immer weiter, unter Beobachtung meiner elektronischen Freunde. Die Tastatur war endlich wieder in gewohnter Position, die Tasten stöhnten und schwangen das ABC schwindelig. Und plötzlich erinnerte ich mich. Dortmund an einem Samstagmittag. Grüner Rasen, runder Ball, 22 Beine, die sich an diesem Tag nicht verirrten und zielstrebig den Weg in des Gegners Hälfte ansteuerten um Fußball zu zelebrieren. Hamburger Beine, die Dortmund besiegten und mich erstarren ließen. Waren wir das eben? One touch Fußball, Tore, Tore, Tore. „Das war ein Kabinett“.

Ich erinnere mich. Derbysieger. Brähmen war zu Gast. Die Boxen spielten den Puls, den Atem. So dröhnten sie voller Überzeugung in mein Zimmer hinein und wieder hinaus auf die Straßen von Wiesbaden. „Wer nicht hüpft, der ist ein Brähmer, HEY HEY, wer nicht hüpft, der ist ein Brähmer“. Derbysieger und die Nummer eins im Norden. Schöne Erinnerungen in den vergangenen Monaten.

Doch Hamburg bei Nacht sieht eben anders aus. Heimspiel gegen Fürth. Die Kälte setzte nun auch meinen spaßigen Freunden zu. Es kam zum Streit. „Die Boxen schrien und die Maus die piepte. Hamburg gewinnt, ne ne, Fürth gewinnt“. Es fing schlecht an und so sollte es enden. 1:1. Die abermalige Chance nach etwas mehr Luft im Kampf um Punkte. Erneut verpasst. An diesem Abend. Ich wollte was schreiben, doch die Tastatur streikte. Mein Kopf war leer. Wir waren fertig. Was blieb von diesem Tag? Ein leises Getuschel von Europa. HAHA.

Die Tastatur und Boxen, der Monitor und die Maus. Gegen Stuttgart habe ich sie alleine gelassen. „Dublin was calling“ und so stieg ich in den Flieger und flog weit weg. Weit weg vom Fußball. Rudnes Goal. Platz 5. Europa wir kommen. Ein Auf und Ab. Ich kann nicht mehr.

So saß ich dann am Donnerstag darauf schon wieder hier in meinem Zimmer. Ich sah den Monitor an. Schwarzes Bild, die Tastatur lag regungslos da, keinen Millimeter verrückt. Die Tastatur, bedeckt von einer feinen Schicht aus Staub. An den Boxen hingen herabfallende Blätter der Blumen, hoch oben vom Schrank. Ein trauriges Bild.

Ich hauchte den Kameraden aus Plastik per Knopfdruck das Leben ein. Es piepte und es sah mich sofort fragend an. „Wo warst du?“ Der Monitor guckte mich böse an und die Boxen schrien: „Würden sie uns bitte mal das Rudnves Tor zeigen, der Herr? Sie verweilen mit ihrer holden Gattin in Dublin und was ist mit uns? Uns lässt man hier verstauben“. Ihr seht. Es ist kein leichtes Leben als HSV-Fan. Die Spieler wollen, aber können es nicht immer. Das Ergebnis. Das liest man hier. Man spricht zu Geistern.

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Und so fühlte ich mich am vergangenen Samstag. Willkommen im Gruselkabinett. Heimspiel gegen Augsburg. Puppenspieler gegen Alleskönner. Schalke 04, Mainz und Freiburg. Frankfurt sowieso. Alle patzen. Da dürfen wir natürlich nicht fehlen. Es hätte sooo schön sein können. Nur einmal nach langer Zeit wieder in die Welt hinaus zu posaunen: „Wir sind auf Platz 4“. Meine HSV-Seele hätte sich sehr gefreut. Was verlange ich groß? Deutscher Meister? Champions League oder Pokalfinale? Nichts. Nur eines. Konzentriert euch doch endlich mal über zwei Spiele am Stück. 2 mal 90 Minuten. Danke.

„Was ist nur aus dir geworden“, fragte mich der Monitor. „Du denkst du sprichst mit uns, und jetzt schreibst du über uns, obwohl wir gar nicht miteinander sprechen? Wenn du es einfach haben möchtest. Dann werde doch Bayernfan. Haha“. Wach wieder auf, Alter. Der Verein hat dich ausgesucht. Da musst du durch. Erinnere dich doch an 1979. Deutscher Meister und……..

……München wartet. Ostersamstag. Gewinnen wir eben in München. Ich bin da. Ohne Monitor und Maus. Dafür mit einem Hasen. Wir klauen euch die Punkte. Frohes Fest.

Kämpfen und siegen. NUR DER HSV

Verwirrte Grüße

Christian E.

4 Gedanken zu “Eine Überschrift, die keine ist

  1. Heiko Schmidt

    Danke für das Licht und die Freude an diesem grauen Tag (obwohl unser geliebter HSV gar nicht versucht hat zu spielen).

    Nur der HSV (wird nach dem 34. Spieltag laut „Europapokal – Europapokal“ singen, so oder so)!

    Ein Freund…..

    1. linushsv

      Moin Heiko. Wenn ich deinen trüben Tag erheitern konnte, dann hat sich die Mühe schon gelohnt. In Hoffenheim werden wie es singen: „Europapokal, Europapokal“. Wir sehen uns in Mainz.

  2. Schöner Artikel. Die drei Punkte aus München sind bei mir fest eingeplant. Solange der Schiri nicht abpfeift und wir hoffnungslos zurückliegen glaube ich immer an das Team. Viel Spaß bei den Bayern und Nur der HSV!

    1. linushsv

      Danke für das Lob und deinen Kommentar. Ich habe gestern gesehen das du einen eigenen Blog hast. Gefällt mir auch sehr gut. Ich bringe 3 Punkte mit. Bis bald. Christian

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